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Gustav Mahler kam am 7. 7. 1860 in der böhmischen Ortschaft Kaliště bei Humpolec (dt. Kalischt, im heutigen Departement Vysočina, damals Teil der Monarchie Österreich-Ungarn) in einer jüdischen Familie zur Welt.
Vater Bernhard Mahler beherrschte beide Landessprachen, Tschechisch wie Deutsch, damals für einen Kaufmann auf dem Lande unerlässlich. Er arbeitete als Fuhrmann, versuchte sich durch Lektüre weiterzubilden und aufzusteigen. Mit der Zeit konnte er sich selbstständig machen und erwarb in Kaliště, einem böhmischen Dorf mit um die 500 Einwohner, ein bescheidenes Häuschen. Er war von jüdischer Herkunft, freilich nicht strenggläubig und dem christlichen Umfeld nicht verschlossen. Die deutsche Kulturwelt stand ihm nahe.
Mutter Marie, geborene Herrmann, war die Tochter eines wohlhabenden Seifensieders aus Ledeč nad Sázavou. In Kaliště kam auch Gustavs älterer Bruder Isidor zur Welt (1858, im Kindesalter verstorben).
Im Jahre 1860, vor Jahresende, zog Bernhard Mahler mit seiner Familie von Kaliště nach Jihlava (dt. Iglau) um, wo man fortan in Untermiete im Haus No. 265 in der Brtnická-Straße (heute Znojemská-Straße 4) lebte. Er betrieb eine Schankstube und eine Weinbrennerei, und sein Gewerbe florierte. Jihlava, das kulturelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zentrum der Region, zählte damals 25’000 Einwohner und war zu vier Fünfteln deutsch.
Der erste Lehrer des kleinen Gustav war Jakub Sladký, Kontrabassist der Stadtkapelle. Von ihm wie von Bediensteten, welche böhmische und mährische Lieder sangen, erwarb Mahler musikalisches Grundwissen. Weitere Lehrer in seiner Kindheit waren Franz Viktorin, Dirigent der Musikkapelle von Jihlava, Jan Brož, ein örtlicher Klavierlehrer, und Heinrich Fischer, Chorleiter in der St-Jakobs-Kirche und Leiter des Männergesangvereins.
1869–1875 war Gustav Schüler auf dem Gymnasium von Jihlava. Er hatte Mühe mitzukommen, war in der Schule oft zerstreut, unordentlich und geistesabwesend.
Am 13.10.1870 trat er im Stadttheater von Jihlava erstmals öffentlich auf und wurde in der örtlichen Presse gelobt. Der Vater unterstützte ihn, denn das junge Musiktalent erhöhte das gesellschaftliche Ansehen der Familie.
Im September 1871 schickte der Vater Gustav auf ein Prager Gymnasium, um ihm eine bessere Ausbildung zu ermöglichen. Er lebte bei der wohlhabenden Familie Grünfeld, deren zwei Söhne Alfred und Heinrich Musik studierten und später herausragende Interpreten wurden. Die Familie sollte die weitere Ausbildung Gustavs auf dem Klavier sicherstellen. Mahler hatte in der Schule jedoch keinen Erfolg, und der Vater holte ihn 1872 nach Jihlava zurück.
Am 5.11.1872 kaufte Bernhard Mahler das Nachbarhaus in der Brtnická-Straße 264 (heute Znojemská-Straße 6).
Am 11.11.1872 trat Gustav auf einer öffentlichen Veranstaltung des Gymnasiums zum Schillerjubiläum auf und spielte mit großem Erfolg Liszt’ Klaviervariationen über Mendelssohns Musik zu Shakespeares Lustspiel Ein Sommernachtstraum.
Am 20.4.1873 trat er im Stadttheater anlässlich einer Hochzeit in einer wohlhabenden Familie auf; Mahler spielte Thalbergs Klavierphantasien über ein Thema aus Bellinis Oper Norma. Am 17.5.1873 wurde das Konzert zum Jubiläum des städtischen Männergesangsvereins im Saal des Hotels Czap in Jihlava wiederholt.
In den Jahren 1875–1878 studierte Mahler auf dem Wiener Konservatorium, mit sehr guten Ergebnissen.
1875–1877 setzte er auf den Entscheid der Eltern hin das Studium auf dem Gymnasium von Jihlava als Privatist fort. Während dieser Zeit schloss er Freundschaften fürs Leben – mit Josef Steiner, Quido Adler (Musikkritiker und Professor am Lehrstuhl für Musikwissenschaften in Wien), Emil Freund (Jurist, kümmerte sich später beispielsweise um die Hinterlassenschaften der Eltern) und Theodor Fischer (Mitschüler und Sohn des Musiklehrers, später Präsident des Bezirksgerichts von Jihlava). Während seiner Studienzeit in Wien kehrte er in den Ferien und für Prüfungen auf dem Gymnasium nach Jihlava zurück.
Am 31.7.1876 fand im Hotel Czap ein Konzert der Konservatoristen Gustav Mahler und Richard Schraml statt. Am 12.9.1876 veranstaltete Mahler im Hotel Czap ein weiteres Konzert, wo er seine Kompositionen Sonate für Violine und Klavier und Quartett für Violine, Viola, Violoncello und Klavier spielte.
Am 12.9.1877 legte er auf dem Gymnasium die Abschlussprüfung ab – ohne gute Noten und erst beim zweiten Versuch.
Am 24.4.1879 nahm er an einem Festkonzert zum 25. Hochzeitsjubiläum des Kaiserpaars im Stadttheater von Jihlava teil.
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Im September 1882 dirigierte er im Stadttheater von Jihlava zwei Aufführungen von Franz Suppés Operette Boccaccio.
10.1.–17.3.1883 Engagement am Stadttheater von Olomouc (dt. Olmütz), vermittelt durch die Wiener Agentur Lewy; Mahler ersetzte einen entflohenen Kapellmeister. Das Theater von Olomouc (16’000 Einwohner, zu zwei Dritteln deutsch) war baulich, finanziell wie auch künstlerisch in einem schlechten Zustand. Direktor Emanuel Raoul stellte den Betrieb im März ein. Mahler musste mit provinziellen Zuständen kämpfen, erwarb freilich Theatererfahrungen und machte sich mit dem Repertoire bekannt.
11.8.1883 trat er in Jihlava zum letzten Mal als Klavierspieler und Dirigent auf, anlässlich eines Benefizes im Stadttheater für das Rote Kreuz. Er musste vom unerfreulichen Zustand der verarmenden Familie mit dem kranken Vater erfahren. Hier lebten die Geschwister Alois, Justina, Otto und Emma. Von diesem Zeitpunkt an unterstützte Mahler seine Familie finanziell.
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Vom 1.8.1885 bis am 15.7.1886 war er zweiter Kapellmeister des Königlich deutschen Landestheaters in Prag, des heutigen Ständetheaters. Bereits im Dezember 1884 hatte sich Mahler bei Direktor Neumann, der damals in Bremen tätig war, um ein Engagement bemüht. Neumann konnte ihn nicht sofort aufnehmen, stellte ihn jedoch für die Saison 1885/86 ein, als er die Stelle des Direktors beim Deutschen Theater in Prag übernahm. Mahler war hier offiziell zweiter Kapellmeister, erfüllte in Wirklichkeit aber die Funktion des ersten Kapellmeisters, nachdem sich der designierte erste Kapellmeister Anton Seidl nicht an seinen Vertrag gehalten und Prag nach wenigen Wochen verlassen hatte.
Mahler hatte in Prag die Gelegenheit, bedeutende Werke des Stammrepertoires zu dirigieren (Mozart: Don Giovanni, Così fan tutte, Beethoven: Fidelio). Um die Jahreswende 1885/86 studierte er für die Prager Premiere die ersten zwei Teile von Wagners Tetralogie Ring des Nibelungen, Rheingold und Walküre ein, und dirigierte auch symphonische Konzerte. Im Februar 1886 dirigierte er unter anderem Beethovens 9. Symphonie. Er erhielt von einer Gruppe begeisterter Besucher aus akademischen Kreisen einen Dankes- und Bewunderungsbrief. Auf einem weiteren Konzert am 18. April dirigierte er unter anderem erstmals in Prag Teile von Bruckners Symphonie und präsentierte sich erstmals als Komponist: die Sopranistin Betty Frank sang zu seiner Klavierbegleitung drei Lieder.
Er besuchte mehrere Male das Nationaltheater, schätzte dessen künstlerische Kräfte und zeigte großes Interesse für tschechische Komponisten, namentlich Smetana und Dvořák.
Mahlers Vertrag in Prag endete am 15. Juli, bereits einige Tage vor diesem Datum verließ er Prag.
Am 18. 8. 1888 dirigierte Mahler die Prager Premiere der Oper Die drei Pintos, welche er auf der Grundlage von einem unvollendeten Manuskript Webers ausgearbeitet hatte. Entgegen ursprünglichen Plänen blieb er bis am 31. August in Prag, weil er auf das Ende der Verhandlungen über sein zukünftiges Engagement in Budapest wartete, und dirigierte noch einige Reprisen.
Nach dem Tod seiner Eltern (1889) verkaufte Mahler beide Häuser in Jihlava. Die Eltern wurden auf dem jüdischen Friedhof in Jihlava begraben. Danach kehrte Mahler nicht mehr in diese Stadt zurück, hatte hier aber immer Heimatrecht, war von Zeit zu Zeit mit den städtischen Behörden in schriftlichem Kontakt und verkehrte brieflich mit Freunden, beispielsweise mit dem Musiklehrer Fischer.
Im Juli 1889 und Juli 1891 besuchte er Mariánské Lázně (dt. Marienbad).
Während seiner Tätigkeit in Hamburg (1891-1897) studierte er Smetanas Opern Die verkaufte Braut (Prodana nevěsta), Der Kuss (Hubička) und Zwei Witwen (Dvě vdovy) ein. Zu seinen engsten Freunden zählte der Komponist Josef Bohuslav Foerster, der in Hamburg als Journalist und Lehrer tätig war. Dessen Frau, Berta Lauterer-Foerster, war Sopranistin im Hamburger Opernensemble unter Mahler, genauso wie der Baritonist Vilém Heš. Mahler holte später beide an die Hofoper in Wien.
Am 13.4.1896 veranstaltete Mahler in Hamburg die Uraufführung von Foersters 3. Symphonie.
Am 4.10.1897, nach seinem Eintritt in die Wiener Hofoper, studierte Mahler (in einer eigenen Bearbeitung) Smetanas Oper Dalibor ein.
Am 26.1.1898 erteilte ihm die Gesellschaft zur Förderung deutscher Wissenschaft, Kunst und Literatur in Böhmen finanzielle Unterstützung für den Druck der ersten drei Symphonien für die Proben, und ernannte ihn zum Ehrenmitglied.
Am 3.3.1898 dirigierte Mahler auf dem Prager Deutschen Theater seine 1. Symphonie. Nach dem Konzert nahm er an einem festlichen Diner in der Wohnung von Direktor Neumann teil, wo er vielen Persönlichkeiten der tschechischen und deutschen Kulturwelt Prags begegnete.
Am 4.12.1898 dirigierte Mahler auf einem Konzert der Wiener Philharmonie die Premiere von Dvořáks Heldenlied (Píseň bohatýrská) – unter persönlicher Teilnahme von Antonín Dvořák, der Mahlers Einladung nach Wien gefolgt war. Neben dem Heldenlied standen Brahms, Mendelssohn und Haydn auf dem Programm. Das Konzert erntete großen Erfolg.
Am 4.6.1899 dirigierte er im Deutschen Theater in Prag zum Abschluss des Wagner-Opern-Festivals Beethovens 9. Symphonie.
Am 3. 12. 1899 dirigierte er auf einem Konzert der Wiener Philharmonie Dvořáks symphonisches Gedicht Waldtaube (Holoubek).
Am 2. 12. 1900 dirigierte er auf einem Konzert der Wiener Philharmonie Smetanas Ouvertüre zur Oper Libussa (Libuše) und das symphonische Gedicht Moldau (Vltava) aus dem Zyklus Mein Vaterland (Má vlast).
Im Frühjahr 1901 wollte Mahler Dvořáks Rusalka (Premiere in Prag am 31.3.1901) aufführen und forderte beim Prager Nationaltheater Auszüge für Klavier an. Nach Dvořáks Besuch in Wien übergaben sie das Libretto gemeinsam zur Übersetzung ins Deutsche. Dvořák zögerte damit, den Vertrag zu unterschreiben, und war nicht zufrieden mit den Bedingungen. Zur Aufführung der Rusalka in Wien kam es schließlich nicht.
Am 3.10.1903 präsentierte Mahler auf der Wiener Oper das Ballett Der faule Hans (Pohádka o Honzovi) seines Freundes Oskar Nedbal (Uraufführung unter der Leitung des Komponisten am 24. 1. 1902 in Prag).
Am 18.12.1903 dirigierte Oskar Nedbal in Prag Mahlers 2. Symphonie auf einem Konzert der Tschechischen Philharmonie. Anwesend war auch Alma Mahler.
Am 25.2.1904 dirigierte Mahler auf einem Konzert des Deutschen Theaters in Prag seine 3. Symphonie.
Am 21.5.1908 kam Mahler nach Prag und dirigierte am 23. 5. das Eröffnungskonzert des Abonnentenzyklus im Rahmen der Jubiläumsausstellung der Handels- und Industriekammer in den Messehallen von Holešovice. Auf dem Programm standen: Beethoven – Ouvertüre Coriolan, Smetana – Ouvertüre zur Oper Die verkaufte Braut (Prodaná nevěsta), Wagner – Ouvertüre zur Oper Tristan und Isolde sowie zur Oper Die Meistersinger von Nürnberg
Das Ausstellungsorchester setzte sich aus Mitgliedern der Tschechischen Philharmonie sowie zwanzig Musikern des Orchesters des Deutschen Theaters zusammen. Mahler wusste die tschechischen Musiker zu schätzen und schrieb seiner Frau, dass „das Orchester ausgezeichnet und gewandt ist“.
Am 19.9. 1908 dirigierte Mahler das Abschlusskonzert desselben Ausstellungszyklus; hier fand die Weltpremiere seiner 7. Symphonie statt. Es spielte wiederum das Ausstellungsorchester mit zwei Orchesterleitern, zusammengesetzt aus Mitgliedern der Tschechischen Philharmonie und des Deutschen Theaters. Anwesend waren viele von Mahlers Freunden und Mitarbeitern, die sich ebenfalls an den Vorbereitungen des Konzerts beteiligt hatten.
An der Metropolitan Opera von New York dirigierte Mahler am 19.2.1909 erstmals in Amerika Smetanas Oper Die verkaufte Braut (Prodaná nevěsta) mit Emma Destinn in der Rolle Maries. Gespielt wurde die deutsche Übersetzung, und Mahler hatte in der musikalischen Bearbeitung und Instrumentation wie üblich zahlreiche Änderungen vorgenommen.
Am 12.3.1909 dirigierte er in der Metropolitan Opera die Aufführung von Wagners Oper Tristan und Isolde mit Carl Burian in der Rolle Tristans.
Am 5.2.1910 dirigierte er auf einem Konzert der New-Yorker Philharmonie Dvořáks Symphonie Aus der neuen Welt (Z nového světa).
Mit diesem Orchester führte Mahler weitere Kompositionen von Dvořák und Smetana auf.
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